Dmitrij Trenin: Beide werden sich bei diesem Gespräch fragen: Was ist mein Gegenüber für ein Mensch, kann ich mit ihm zusammenarbeiten? Bei dem Treffen in London wird nicht verhandelt, sondern es geht ums Kennenlernen. Ich vermute, dass sie gut miteinander auskommen werden - bisher haben sie sich wohlwollend über den anderen geäußert.
sueddeutsche.de: Die russische Rhetorik war in den letzten Jahren sehr antiwestlich und vor allem antiamerikanisch. Ist dies nicht ein Hindernis?
Trenin: Das wird bei diesem Treffen keine Rolle spielen. Zuletzt hat man im Kreml diese wütenden Aussagen immer in politisch kontrollierter Weise genutzt: Putins Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 sollte deutlich machen, unter welchen Bedingungen Russland zur Zusammenarbeit bereit ist - nämlich nur, wenn es als gleichberechtigt angesehen wird. Anfang November hat sich Medwedjew in der Rede zur Lage der Nation sehr antiwestlich geäußert, aber das später korrigiert. Er verhält sich in dieser Hinsicht berechnend und ohne Emotionen. Obama wird charmant sein und versuchen zu überzeugen: "Ich vertrete die neue Regierung und mache vieles anders als Bush." Das betrifft nicht nur den Klimawandel und Afghanistan, sondern auch Russland.
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